Dienstag, 25. Juni 2019

Wer hats erfunden? Ein Japaner?



Wenn es um Haartransplantation geht, dann denken die Menschen heute kaum daran, dass auch diese kosmetisch-chirurgische Methode der Haarerneuerung einmal irgendwo ihren Ursprung hatte. Heute reisen zum Beispiel viele Schweizer, Österreicher oder Deutsche nach Istanbul zur Haartransplantation, vortrefflich organisiert durch Health Travels, der Agentur für Gesundheitsreisen mit Sitz in Istanbul und Frankfurt am Main.

Doch die Ursprünge der modernen Methoden wie der FUE-Haartransplantation finden sich vorgeblich im Land der aufgehenden Sonne, in Japan.

Im Jahr 1886 wird in Tenri-shi, in der Präfektur Nara Shoji Okuda geboren. Da in Japan in der Jugendzeit Okudas noch kein Ausbildungssystem für Ärzte bestand, brachte er sich das notwendige Wissen teils über Bücher, teils als Assistent in Kliniken bei. Bereits im Jahr 1912, mit gerade einmal 26 Jahren, eröffnete Shoji Okuda seine eigene Klinik.

Die Punch-Transplantation

Im Laufe der Jahre behandelte Okuda im Bereich der Allgemeinmedizin zahlreiche Menschen, er beschäftigte sich aber auch mit der kosmetischen Wiederherstellung von Unfall- und Kriegsopfern. Vor allem damit, wie etwa bei Narben von Brandwunden oder nach einer Lepra-Erkrankung an den kahlen Stellen wieder Haare wachsen konnten. Gerade für Menschen mit entstellenden Narben im Kopfbereich sind Haare ein wichtiges Mittel, um die Wundmale zu kaschieren.

Im Jahr 1939 veröffentlicht Okuda im japanischen Journal für Dermatologie und Urologie einen Bericht, indem er über 30 Fälle beschreibt, in denen er mittels Punchtransplantation erfolgreich Eigenhaarverpflanzungen vornahm.

Doch ist Okuda wirklich der erste Mediziner, der erfolgreiche Haartransplantationen durchführte? Tatsächlich wurde die erste erfolgreiche Haartransplantation von dem in Istanbul geborenen Arzt Menahem Hodara im Jahr 1897 durchgeführt. Allerdings nutzte Hodara, der in der Türkei, Deutschland und Österreich seine Ausbildung erhielt, damals ganze Hautlappen zur Verpflanzung und nicht die Punchtechnik, die Okuda erst über 40 Jahre später einsetzte. Das in den späteren Jahrzehnten, ab den 1960er-Jahren, Okudas Punchtechnik als Basis für moderne Techniken verwendet wurde und nicht die großflächige Kopfhautverpflanzung Hodaras, lag vor allem am wesentlich geringeren Infektionsrisiko und des schnelleren Heilprozesses.



Im Gegensatz zur heute gängigen FUE-Methode ist aber auch Okudas Punchtechnik recht grobflächig und kann natürlich nicht so präzise sein, die Grundzüge der Verpflanzung einzelner Crafts sind aber bereits vorhanden. Damit hat sich Okuda (Japan) wohl wirklich den Verdienst erworben, es erfunden zu haben. Hodara (Türkei) darf dafür von sich behaupten, die weltweit erste erfolgreiche Haartransplantation durchgeführt zu haben.  


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