Wenn es um Haartransplantation geht, dann denken die
Menschen heute kaum daran, dass auch diese kosmetisch-chirurgische Methode der
Haarerneuerung einmal irgendwo ihren Ursprung hatte. Heute reisen zum Beispiel
viele Schweizer, Österreicher oder Deutsche nach Istanbul zur
Haartransplantation, vortrefflich organisiert durch Health Travels, der Agentur
für Gesundheitsreisen mit Sitz in Istanbul und Frankfurt am Main.
Doch die Ursprünge der modernen Methoden wie der
FUE-Haartransplantation finden sich vorgeblich im Land der aufgehenden Sonne,
in Japan.
Im Jahr 1886 wird in Tenri-shi, in der Präfektur Nara Shoji
Okuda geboren. Da in Japan in der Jugendzeit Okudas noch kein Ausbildungssystem
für Ärzte bestand, brachte er sich das notwendige Wissen teils über Bücher,
teils als Assistent in Kliniken bei. Bereits im Jahr 1912, mit gerade einmal 26
Jahren, eröffnete Shoji Okuda seine eigene Klinik.
Die Punch-Transplantation
Im Laufe der Jahre behandelte Okuda im Bereich der
Allgemeinmedizin zahlreiche Menschen, er beschäftigte sich aber auch mit der
kosmetischen Wiederherstellung von Unfall- und Kriegsopfern. Vor allem damit,
wie etwa bei Narben von Brandwunden oder nach einer Lepra-Erkrankung an den
kahlen Stellen wieder Haare wachsen konnten. Gerade für Menschen mit
entstellenden Narben im Kopfbereich sind Haare ein wichtiges Mittel, um die
Wundmale zu kaschieren.
Im Jahr 1939 veröffentlicht Okuda im japanischen Journal für
Dermatologie und Urologie einen Bericht, indem er über 30 Fälle beschreibt, in
denen er mittels Punchtransplantation erfolgreich Eigenhaarverpflanzungen
vornahm.
Doch ist Okuda wirklich der erste Mediziner, der
erfolgreiche Haartransplantationen durchführte? Tatsächlich wurde die erste erfolgreiche Haartransplantation von dem in
Istanbul geborenen Arzt
Menahem
Hodara im Jahr 1897 durchgeführt. Allerdings nutzte Hodara, der in der Türkei,
Deutschland und Österreich seine Ausbildung erhielt, damals ganze Hautlappen
zur Verpflanzung und nicht die Punchtechnik, die Okuda erst über 40 Jahre
später einsetzte. Das in den späteren Jahrzehnten, ab den 1960er-Jahren, Okudas
Punchtechnik als Basis für moderne Techniken verwendet wurde und nicht die
großflächige Kopfhautverpflanzung Hodaras, lag vor allem am wesentlich
geringeren Infektionsrisiko und des schnelleren Heilprozesses.
Im Gegensatz zur heute gängigen FUE-Methode ist aber auch
Okudas Punchtechnik recht grobflächig und kann natürlich nicht so präzise sein,
die Grundzüge der Verpflanzung einzelner Crafts sind aber bereits vorhanden.
Damit hat sich Okuda (Japan) wohl wirklich den Verdienst erworben, es erfunden
zu haben. Hodara (Türkei) darf dafür von sich behaupten, die weltweit erste
erfolgreiche Haartransplantation durchgeführt zu haben.

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