Mit dem Erlernen des aufrechten Gangs setzte beim Vorfahren
des heutigen Menschen der Verlust des größten Teils der Körperbehaarung ein.
Für den damaligen Steppenbewohner Afrikas, der sich auf die Ausdauerjagd
spezialisiert hatte, war dies von Vorteil, denn unter der warmen Sonne des
schwarzen Kontinents konnte der Körper ohne Fell und nur durch Schwitzen besser
gekühlt werden. Der Verlust des Fells erfolgte natürlich nicht von heute auf
morgen, sondern erstreckte sich vermutlich über einen Zeitraum von mehreren
zehntausend Jahren.
Doch warum hat die Evolution bei der Entfernung des Fells
die Kopfhaare sowie andere Bereiche verschont?
Die Forschung geht heute davon aus, dass die Behaarung unter
den Achseln und im Schambereich dem Zweck der sexuellen Anziehung dient. Sowohl
unter den Achseln wie auch im Schritt befinden sich Schweißdrüsen, über die
Lockstoffe, Pheromone, abgesondert werden. Da diese Pheromone sich recht
schnell verflüchtigen, hat die Natur hier die Behaarung beibehalten, in der
sich die Lockstoffe länger halten und somit die Chance erhöht wird, dass sich
ein paarungsbereites Gegenüber einfindet.
Übrigens haben wir unser Fell ja „noch“ nicht vollständig
abgelegt. Nach wie vor besitzen wir eine feine Körperbehaarung, die wir bei Angst
oder Kälte gerne aufplustern oder aufstellen würden, was sich durch die
berühmte Gänsehaut bemerkbar macht. Die evolutionäre Tendenz geht jedoch dahin,
das auch noch der letzte Rest unseres früheren Fells verloren geht, weil
schlicht dessen Sinn, das Wärmen bei kühler Witterung, nicht mehr gegeben ist.
Nachweisbar hat der Mensch schon vor über 35.000 Jahren gelernt, aus Flachs
Fasern zu spinnen und daraus wiederum Kleidung zu weben. Die Nutzung von
Tierfellen und die Entdeckung des Feuers als wärmendes Element sind noch weit
älter.
Aber was ist nun mit dem Kopfhaar?
Das Kopfhaar dient nach wie vor dazu, den wichtigsten
Bereich des Menschen vor Kälte, aber auch vor der Sonneneinstrahlung zu
schützen, den Kopf und damit das empfindliche Gehirn. Dabei lassen sich geografische
Unterschiede ausmachen. Beim blonden Nordländer ist der wärmende Effekt entscheidend
und beim überwiegend schwarzhaarigen Südländer der Schutz vor der UV-Strahlung,
weshalb dessen Haare meist auch dicker und kräftiger sind. Bewohner der
mittleren und nördlichen Breitengrade besitzen feineres Haar in größerer
Anzahl, wodurch sich mehr Luftpolster zur Isolierung bilden können.
Sie ist schon clever, unsere Natur.


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