Donnerstag, 25. Oktober 2018

Warum Chemie bei Haarausfall kaum hilft



Die Versprechungen der pharmazeutischen Hersteller sind meist von der eher euphorischen Sorte. Neuer Haarwuchs an bisher kahlen Stellen. Dichtes, volles Haar wo kurz zuvor noch eine spiegelglatte Fläche war.

Die Wahrheit sieht etwas anders aus. Tatsächlich gibt es Haarwuchsmittel, die den Haarwuchs beschleunigen und unterstützen. Es gibt jedoch kein Haarwuchsmittel, das neue Haare entstehen lassen kann. Die Hersteller der verschiedenen Cremes, Salben, Tinkturen, Tabletten und Säfte zielen mit ihren Heilsversprechen aber genau auf die Klientel ab, die sich am ehesten neue Haare wünscht. Das sind über die Hälfte aller männlichen Erwachsenen in Nord- und Mitteleuropa genauso wie in den USA oder Australien. Denn dieser Personenkreis ist von erblichem Haarausfall betroffen, einem genetischen Defekt, der sowohl über die männliche wie weibliche Linie von Generation zu Generation weitergegeben wird. Haare mit dieser Genetik sind unrettbar verloren und nicht nur der sichtbare Teil, sondern gleichermaßen die Haarwurzel und die Haarpapille.

Wo nichts ist, kann nichts wachsen

Es gibt Pflanzen, bei denen schon ein kleiner Wurzelrest ausreicht, dass sie neu sprießen. Dann gibt es Pflanzen, die nur über ausgestreute Samen sprießen. Es gibt jedoch keine Pflanzen, die aus dem Nichts entstehen. So verhält es sich auch mit ausgefallenen Haaren, da helfen kein Dünger sprich Haarwuchsmittel in irgendeiner Form. Das einzige bekannte und funktionierende Mittel ist die
Eigenhaarverpflanzung beziehungsweise die Haartransplantation, im Detail mehr dazu unter Health Travels. Erst wenn sich eine neue Haarwurzel im zuvor kahlen Bereich verankert hat, entsteht daraus ein neues Haar und ja, Medikamente können dann den Haarwuchs unterstützen.

Wer nun argumentiert, das die Haare in der Kindheit ja auch quasi aus dem Nichts entstanden sind, übersieht hierbei, das Wachstum in Pflanzen wie in Tieren und auch dem Menschen einen Prozess darstellt, der einer biologischen Stoppuhr mit Anfangs- und Endzeiten unterworfen ist. In der Kindheit gibt es einen Zeitraum, indem die Körperhaare gebildet und ihre Funktionalität, aber auch ihre Lebensspanne festgelegt wird. Das kann nicht beliebig wieder angekurbelt werden und das wäre auch nicht ratsam. Jeder der unzähligen Prozesse im menschlichen Körper hängt mit anderen Prozessen und oft auch mit bestimmten Zeitabschnitten zusammen, weshalb die Folgen eines solchen Neustarts schwer vorherzusagen wären. Eine Haartransplantation hingegen ist praktisch nur der Austausch eines genetisch defekten gegen ein gesundes Haar. Chemie und Pharmazie können hierbei helfen, mehr aber auch nicht. Wobei anzumerken ist, das eine Eigenhaarverpflanzung bei gesunden Menschen keinerlei Nebenwirkungen hervorruft, Medikamente hingegen schon.