Mittwoch, 15. August 2018

Warum hat der Mensch überhaupt noch Haare?



Mit dem Erlernen des aufrechten Gangs setzte beim Vorfahren des heutigen Menschen der Verlust des größten Teils der Körperbehaarung ein. Für den damaligen Steppenbewohner Afrikas, der sich auf die Ausdauerjagd spezialisiert hatte, war dies von Vorteil, denn unter der warmen Sonne des schwarzen Kontinents konnte der Körper ohne Fell und nur durch Schwitzen besser gekühlt werden. Der Verlust des Fells erfolgte natürlich nicht von heute auf morgen, sondern erstreckte sich vermutlich über einen Zeitraum von mehreren zehntausend Jahren.

Doch warum hat die Evolution bei der Entfernung des Fells die Kopfhaare sowie andere Bereiche verschont?

Die Forschung geht heute davon aus, dass die Behaarung unter den Achseln und im Schambereich dem Zweck der sexuellen Anziehung dient. Sowohl unter den Achseln wie auch im Schritt befinden sich Schweißdrüsen, über die Lockstoffe, Pheromone, abgesondert werden. Da diese Pheromone sich recht schnell verflüchtigen, hat die Natur hier die Behaarung beibehalten, in der sich die Lockstoffe länger halten und somit die Chance erhöht wird, dass sich ein paarungsbereites Gegenüber einfindet.

Übrigens haben wir unser Fell ja „noch“ nicht vollständig abgelegt. Nach wie vor besitzen wir eine feine Körperbehaarung, die wir bei Angst oder Kälte gerne aufplustern oder aufstellen würden, was sich durch die berühmte Gänsehaut bemerkbar macht. Die evolutionäre Tendenz geht jedoch dahin, das auch noch der letzte Rest unseres früheren Fells verloren geht, weil schlicht dessen Sinn, das Wärmen bei kühler Witterung, nicht mehr gegeben ist. Nachweisbar hat der Mensch schon vor über 35.000 Jahren gelernt, aus Flachs Fasern zu spinnen und daraus wiederum Kleidung zu weben. Die Nutzung von Tierfellen und die Entdeckung des Feuers als wärmendes Element sind noch weit älter.

Aber was ist nun mit dem Kopfhaar?

Das Kopfhaar dient nach wie vor dazu, den wichtigsten Bereich des Menschen vor Kälte, aber auch vor der Sonneneinstrahlung zu
schützen, den Kopf und damit das empfindliche Gehirn. Dabei lassen sich geografische Unterschiede ausmachen. Beim blonden Nordländer ist der wärmende Effekt entscheidend und beim überwiegend schwarzhaarigen Südländer der Schutz vor der UV-Strahlung, weshalb dessen Haare meist auch dicker und kräftiger sind. Bewohner der mittleren und nördlichen Breitengrade besitzen feineres Haar in größerer Anzahl, wodurch sich mehr Luftpolster zur Isolierung bilden können.

Sie ist schon clever, unsere Natur.